Die Ankunft

Das Kofferlaufband dreht sich immer noch und mein Rucksack ist nicht in Sicht. Jetzt stehe ich nur noch mit meinen zwei Begleiterinnen allein am Förderband in der Gepäckhalle des Airport.

„Geht schon mal vor den Eingang und schaut mal nach dem Bus, damit wir den nicht verpassen!“

Mein Rucksack ist weg, verloren gegangen; der kommt nicht mehr aus dem Kofferkeller auf das Förderband. Da muss ich eine Vermisstenmeldung aufgeben…..Die Formalitäten werden auch zügig aufgenommen.

Und da stehe ich nun, mit meiner weißen Plastiktüte in der Hand. Drin das Nötigste, was ein Mann so braucht: Stift und Papier (Schiff und La Badia) , Fotoapparat, ein eingepacktes Butterbrot mit einer Wasserflasche und natürlich der warme Pullover, denn den hatte ich vorsorglich bereits auf der engen Flugzeugtoilette ausgezogen.

Vor dem klimatisierten Flughafengebäude werde ich von lauen sommerlichen Lüften umschmeichelt. Glücksgefühle steigen in mir auf und laufen als angenehme Schauer den Rücken wieder hinunter und machen kribbeln in den Zehenspitzen. Vor wenigen Stunden mitten in der finsteren Nacht durch Schneegestöber über die Autobahn und nun tauche ich in eine andere Welt ein. Leicht bewegen sich die Palmenwedel im milden Sommerwind.

Tief durchatmen und jetzt erst mal die Brille aufsetzen, damit die Phantasie mein inneres Auge mit hellen Sonnenbildern nicht völlig überlädt.

Meine beiden Begleiterinnen kann ich nirgendwo sehen!   „Die sind auch weg – genau wie der Rucksack! Bestimmt schon vorgefahren“ beruhige ich mich. Das habe ich geahnt, mit Fräulein von Schwanenberg gibt es Ärger. So junge Frauen unter 30 sind noch so unvernünftig…

„Also keine Panik“, die Bank an der Bushaltestelle  lädt ja auch zum Verweilen ein. Ich habe ja alle Zeit der Welt und das Leben liegt noch vor mir.

Keine Ahnung, wie lange ich so gesessen habe; trage ja keine Uhr, da hält plötzlich ein Bus an meiner Haltestelle. Ist wie aus dem Nichts aufgetaucht; Nummer 487 steht drauf.

Bssss macht die Bustür und die hellblonde Busfahrerin spricht mich an und zeigt auf meine weiße Plastiktüte. Ich schüttele verneinend den Kopf; verstehe kein Wort der fremden Sprache.

 „Was die wohl meint?“ überlege ich noch; habe aber schon meine Geldbörse mit dem eingeprägten Marihuana Symbol in der Hand und fingere umständlich einen 5er hervor. Mit Fahrkarte und Wechselgeld in der Hand gehe ich schnell nach hinten durch und suche mir einen Sitzplatz, während sich der Bus bereits in Bewegung setzt und mit eiliger Fahrt zur Schnellstrasse unterwegs ist…

Ich muss wohl eingenickt sein, denn als ich wieder wach werde, sitze ich ganz allein im Bus. Vorne fährt immer noch die blonde Busfahrerin. Wie sie dort hinter dem großen Steuer sitzt; eine lichtgewordene Erscheinung, die die kurvenreiche Strecke durch die Mistralwolken fährt; Berge sind kaum auszumachen. Nach rechts und links werde ich von der Fliehkraft gedrückt, wenn es durch die engen Kurven geht.

„Hmm, überlege ich, eine hellblonde nasengepiercte Busfahrerin in Südwestafrika – wie seltsam?!“

Beim Einsteigen hatte ich keine Gelegenheit mal kurz in ihre Augen zu sehen. Wer mag das sein; wem habe ich mich da anvertraut in diesem fürchterlichem Bus“Ich muss hier raus; die Gegend sieht auch so seltsam aus. Das muss eine Entführung sein“ geht es mir durch den Kopf. Also schnell den Halteknopf gedrückt.

Eine Minute später: „Bsssss“ die Bustür öffnet sich. Mit der Plastiktüte in der Hand steige ich eilig aus; und schon macht es wieder „Bssss“, die Tür schließt sich hinter mir und die Lichtgestalt braust mit ihrem Gefährt davon.

Kein Haus weit und breit, nur dieses Bushäuschen in der Einöde zwischen Himmel und Meer.

Da, ich erkenne die Fortalezza im Hintergrund und dort unten leuchtet blau das Meer. Wenn ich bloß wüsste, was die Busfahrerin zu mir beim Einsteigen gesagt hat?

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